Vorläufer der Perle ?

Es war einmal, so fangen alle Märchen an, aber auch die Geschichte der zivilen Motorisierung von Ernst Heinkel und seinen Ingenieuren.

Es war wohl der Sommer 1950, Heinkel hatte sein Werk zurückerhalten, produzierte Getriebe und Motore für verschiedene Fahrzeuge (u.A. für DKW, Saab und Tempo Matador ) die Bevölkerung wollte wieder mobil werden, es gab da also Überlegungen ein Fahrrad mit Hilfsmotor zu bauen. Da aber andere Planungen und Produktionen, zB. der Roller Typ 100 A-0 Vorrang hatten, wurde das Thema erst einmal verschoben. Im Winter 1952/53 wurde es wieder aktuell und man überlegte einen Anbaumotor einer Ingolstädter Firma unter eigenen Namen zu produzieren. Im Frühjahr 1953 wurde dann durch Heinkelmitarbeiter ermittelt wie hoch die Absatzmöglichkeiten eines Fahrradhilfsmotors durch Fahrradhändler sein könnten, denn es gab ja schon ettliche Anbieter. Der Motor hatte 38 ccm Hubraum und sollte am Hinterrad angebaut werden können und mit dem Namen HEINKEL versehen werden,  ganz wichtig: Er sollte zuverlässig sein. Erst bediente man sich der Motoren der Ingolstädter Firma. Es kam aber immer wieder bei den Testfahrten zu Beanstandungen, das dazu führte den Ingolstädter Motor sterben zu lassen. Heinkel entschied sich nun für eine Eigenentwicklung. Der Motor sollte einen Hubraum von 48 ccm haben und 1,2 Ps Leistung besitzen. Desweiteren sollte er Laufruhe besitzen, einfach bedient werden, Vibrationsfreiheit besitzen und vom Fahrer einfach montiert und bei einer Hinteradpanne auch einfach demontiert werden können.

Heinkel Anbaumotor

Es flossen also Schweißperlen, es wurde konstruiert, gebaut und getestet, es gab wohl ca. 10 Versuchsmotore. Doch leider kam das Projekt nicht über das Versuchsstadium hinaus, obwohl ein Mitarbeiter noch sehr lange mit seinem am Fahrrad montierten Hilfsmotor zur Firma gefahren sein soll.

Werbeprospekt


Die Prospekte waren gedruckt, aber es kam kein Motor zum Verkauf, es waren lediglich nur Versuchsmotore unterwegs von denen wohl keiner überlebt hat.

Aber dann kam ja die uns Allen bekannte „Perle“ und die lebt und fährt heute noch.

 

Technische Daten:

Motor                                 Typ 470

Arbeitsweise                      Zweitakt

Zylinder                             Leichtmetall , verchromt

Hubraum                           48 ccm

Bohrung                             38 mm

Hub                                    41,8 mm

Verdichtung                        1 : 6,5

Leistung                              1,2 PS bei 3.800 U/Min

Gemischschmierung, Fahrtwindkühlung, Lichtmagnetzündung 6Volt , 3Watt , Spezial-Schwimmer-Vergaser mit Tupfer und Starterklappe, Verbrauch 1,2 Liter Öl/Benzingemisch auf 100Km, Kraftübertragung: Kette , Gewicht Motor 6Kg einbaufertig mit Gepäckträger 10,5 Kg.

Hier hat sich jemand einen Scherz erlaubt, aber so in Etwa hätte das Fahrrad mit Anbaumotor aussehen können.




Quelle; Heinkel Roller-Moped-Kabine ( D. Lammersdorf )


KDW

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Ist kaputt, kannste mal ?

So ungefähr bekam ich die Black - Box in die Hand und stellte fest es war ein alter Regler, schwarz lackiert meiner Vermutung nach vom A1, denn beim A2 ist der Regler im Alugehäuse und der Kondensator für die Funkenlöschung des Unterbrechers ist separat montiert.

Links Anlassrelais rechts Regler und Kondensator

Soviel dazu, nach genauer Inspektion, stellte ich fest, dass der dicke Widerstand, der unterhalb des Gehäuses montiert ist, defekt war, Draht gebrochen Isolierung nicht mehr vorhanden.

Widerstand 8Ohm / 20 Watt

Nachdem die Oxydation beseitigt war konnte ich den Widerstandswert mit einem Messgerät ermitteln, er lag bei 8 Ohm und nach einigen Recherchen hatte ich auch die Leistung nämlich 10 Watt, also besorgte ich mir einen entsprechenden Widerstand mit ähnlicher Leistung, das Teil heißt Zementkeramikwiderstand und ist etwas größer als die Drahtspule die im Original verbaut wurde, aber Unten Drunter sieht man es nicht Hauptsache, die Funktion ist wieder da.

Was macht der Regler eigentlich ?

Schaut man unter den Deckel, sieht man zwei unterschiedliche Spulen, eine mit dicken Kontakten und die Andere mit feineren Kontakten. Von den Anschlussklemmen gesehen die linke Spule, die mit den beiden dicken Kontakten, ist für das Starten des Motors zuständig ( Klemme 30/51/B+, Plus von der Batterie, Klemme 30h zur Wicklung des Dynastarters). Betätigt man den Zündschlüssel um den Motor zu starten, zieht das Relais über Klemme 50 (Verbindung zum Zündschloss) an und der Motor sollte anspringen. Das Ganze klappt aber nur , wenn an Klemme 31 (linke Seite vom Gehäuse) auch Masse, also Minus angeschlossen ist.

Nun zur rechten Spule, dem eigentlichen Regler, der für die Stromversorgung des Rollers zuständig ist. Eine detalierte Beschreibung würde hier den Rahmen sprengen, darum , wie mein alter Oberfeld beim Bund immer gesagt hat: „ Für Dumme und Soldaten“ einfach erklären.

Verbindung von DF zum Widerstand

Die Spule hat die Kontakte DF, D+/61 und 51, nicht zu vergessen Masse (31). Über Klemme D+/61 wird auch die Ladekontrollleuchte, die uns anzeigt ob die Spannungsversorgung, mehr als 12 Volt vorhanden ist. Wenn  das so ist, wird auch unsere Batterie über Klemme 51 bei Bedarf geladen, mit ca. 13,8 Volt. Voraussetzung dafür ist, dass der Reglerkontakt, (Klemme DF) umgeschaltet hat, das ist nämlich ein Wechsel- oder Umschalt- Kontakt, mit Spannung wird Er von der Generatorspule versorgt. Und hier kommt nebenbei der Anfangs erwähnte „Dicke Widerstand“ ins Spiel, der sorgt dafür, dass nicht die volle Generatorleistung in unser Bordnetz, bzw. in die Batterie geleitet wird. Er macht gewissermaßen einen Kurzschluss von der DF-Leitung an Masse und setzt die zu viel erzeugte Spannung in Wärme um.


Wer das Ganze genauer beschrieben haben möchte kann bei Google nach „ Bosch Regler“ suchen und sich durch die verschiedenen Funktionsbeschreibungen durcharbeiten, ich habe es so gemacht und weiß Gott nicht alles 100% verstanden.

 

KDW

Die Fotos sind leider erst nach der Reperatur entstanden !!

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Wieder mal Einer untergegangen

Wer kennt Ihn nicht, den Schwimmer,  mit eins der wichtigen Bauteile unseres Rollers. Wenn der nicht in Ordnung ist, undicht, geht er "unter". So auch in diesem Fall, dazu trägt das Alter und der Sprit bei, dass sich im Laufe der Zeit kleine unscheinbare Risse in dem dünnen Messingblech bilden. Und wässerige Flüssigkeiten, man weis es ja, durdringen jeden kleinen Spalt. Das führt dann dazu, dass der Schwimmer sich langsam mit Benzin füllt und "untergeht". Dann schwimmt er nicht mehr auf, weil zu schwer, das Kegelventil ist ständig geöffnet, so das Benzin ungeregelt vom Tank in bzw.

aus dem Vergaser in Richtung Luftfilter läuft und bei dem Überschuss an Benzin säuft der Motor ab.

Was also tun?  Neuen Schwimmer kaufen , oder versuchen Ihn unter beibehaltung des Gewichtes, 4-Takt 7Gramm, 2Takt 8Gramm, zu löten.


Nach Reinigung und leichten abschmirgeln,mit feinem Schleifleinen habe ich mich in diesem Fall für das Löten entschieden, der Schwimmer ist wieder dicht und kann seine Aufgabe wieder erfüllen und das Gewicht von 8 Gramm konnte beibehalten werden.


KDW

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Würstchenseminar – Fortsetzung „Stinker“ 2020

2ter Teil 2Takt

Es ist getan: Der 125er 2-Takter läuft wieder

Die Temperatur um 10 Grad Celsius in meiner Garage beflügelte mich, den Motor in den Rahmen einzubauen. Kurz den Auspuff, Vergaser, Luftfilter anschrauben und rein in die drei Gummi-Elemente.

 Der Elektrikanschluss dauerte etwas länger, da ich mir die Reihenfolge der Kabelanschlüsse nicht gemerkt hatte. Also erst mal Schaltplan her! (Eine „Belehrung“ von meinem Lieblingselektriker kommt mir in den Sinn: „Kabel gehören in die Erde, Leitungen an Schalter und Regler!“) Schnell Schaltungszüge angeschlossen, drei Gänge eingestellt, 80er Getriebeöl in den Motor und Kettenkasten eingefüllt, Batterie angeschlossen und … wo bekomme ich Benzin her? Für Nichtkenner des Zweitakters: Der Benzintank ist im Kofferkasten mit Sitzbank fest verschraubt, und für einen Probelauf des Motors wollte ich die schwere Blechkiste samt Gepäckträger nebst Reserverad noch nicht aufsetzen. Also schnell meinen separaten Benzinständer hergeholt, mit 2-Takt-Sprit gefüllt (1 : 40) und voller Erwartung den Anlass-Schlüssel gedrückt. Die rote Lampe im Tacho leuchtet, die Dynastartanlage dreht und … Vorher sollte man natürlich den Ferntupfer zwei- bis dreimal drücken, damit der Schwimmer im Vergaser untertaucht und Benzin ins Schwimmergehäuse einfließen kann.

Sonorig blubbert der Motor vor sich hin. Geschafft! Kein Qualm, kein Dampf, Reparatur erfolgreich erledigt dank Würstchenseminar …

 Jetzt schnell noch zum TÜV und „on the road again!“


KDK
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Würstchenseminar – Auftakt 2020

Beim ersten Würstchenseminar im neuen Jahr kümmerten wir uns um den Stinker. Gemeint ist natürlich der 2-Takt-Roller mit 125er Motor.

Ich hatte Schwierigkeiten, meinen Boliden zu starten, und wenn er ansprang, jubelte sich die Drehzahl in gefährlich hohe Töne. Aus den Auspuffröhrchen kam richtig weiß-blauer Qualm, aber so richtig - deshalb der freundlich gemeinte Ausdruck „Stinker“.

Der Motor war schnell ausgebaut und seziert. Die Kurbelwelle hatte in den Schulterlagern merklich Spiel. Also: Neue Kugellager und neue Wellendichtringe, beidseitig, so lautete die Arbeitsanweisung von Herbert B. aus H.

Die Simmeringe (Wellendichtringe) konnten das Spiel, welches in den Kugellagern herrschte, nicht mehr ausgleichen, sodass das Getriebeöl in den Kurbeltrieb kam und mit verbrannt wurde und dann eben qualmte. 

Wenn man das Motorgehäuse schon mal auf hat, so dachte ich mir, könnte man doch eine kleine Bohrung im Kurbelgehäuse machen, auf diese Weise das eventuelle Getriebeöl oder aber auch überschüssige Benzin, welches in den Verdichtungsraum floss, wieder ablassen und später mit Schraube M5 und Dichtscheibe wieder schließen. Schließlich hatte ich ja schon gehört: Wenn man Benzin oder Bremsenreiniger (besser Startpilot) beim unwilligen Start des Motors durchs Kerzenloch gespritzt hat, dann kann sich beim Anschieben des Rollers ein Kaltschlag im Kurbelgehäuse bilden und die Anschraublaschen des Sackzylinders abreißen. Warum Anschieben? Die Batterie schaffte es einfach nicht, den Motor durchzudrehen. Flüssigkeiten lassen sich nicht zusammendrücken. Also gemacht, getan. So habe ich jetzt eine Ablassschraube an der tiefsten Stelle des Kurbelgehäuses. 

Es gibt zum Kaltschlag auch eine Kundendienstmitteilung vom Heinkelwerk, dass man, um diesen Effekt zu vermeiden, eine kleine Bohrung unter der Oberkante des Schwimmergehäuses vom Vergaser bohren sollte. Sie dient als Benzinüberlauf. So kann kein Benzin in den Zylinder laufen. 


Die Fummelei mit der Schaltklaue


Bei dem Wiederzusammensetzen der Motorhälften mussten wir ein bisschen fummeln, um die Getriebezahnräder nebst Schaltgabeln und Kulisse in das doch sehr enge Gehäuse einzupassen. Das Montieren der Dynastartanlage und Kettenkastenschwinge ging zügig voran, sodass der Motor bald alle Komponenten wieder hatte. Jetzt steht das Einbauen und Anschließen der Elektrik sowie Bowdenzüge an.

Da soll er hin, der "Stinker"
Einbaubereit

Leider ist es wieder etwas kälter geworden in meiner Garage (im Gegensatz zu Horst K.s in P. wohlig-warmer Seminargarage samt heißem Kaffee und Würstchen), und so wird es wohl noch ein wenig dauern mit dem Probelauf meines Motors …

Gemütlichkeit muss sein !!





 

KDK / KDW 

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